Dienstag, 24. Januar 2012

Willkommen bei den Sch’tis (2008)

Regie: Dany Boon
Schauspieler u.a.: Kad Merad (22 Bullets), Dany Boon (Nichts zu verzollen), Anne Marivin (Kein Sterbenswort), Zoé Félix (Captifs), Line Renaud (18 ans après)

Trivia:
Die Komödie überholte James „Kommerz-König“ Camerons Titanic und hält bis heute den Kinobesucherrekord in Frankreich.
Für die deutsche Synchronisation wurde eigens ein fiktiver Schti-Dialekt erfunden.
Angeblich plant Will Smiths bereits ein US-Remake.


Bewertung: 3,5 von 5 Punkten



"Denk doch mal nach, Philippe, die machen sicher Druck, damit im Wetterbericht mehr Grad angezeigt werden, sonst würde niemand da hin fahren."


Kommt man als Rheinländer nach Sachsen-Anhalt, kann das schon mal ein kleiner Kulturschock sein. Und jeder kennt sie, diese Örtchen und Regionen, die „anders“ sind. Wo einem die Leute nicht ganz geheuer sein können und sowieso alles nicht ganz mit rechten Dingen zugehen kann.
Eben mit dieser Art von festgefahrenen Vorurteilen spielt Dany Boon in seiner kleinen liebevollen Komödie „Willkommen bei den Schtis“. Der Postbeamte Philippe Abrams leitet eine Filiale im sonnigen Hinterland von Marseille, dort lebt er mit seiner depressiven Frau Julie und seinem Sohn. Die Familie möchte unbedingt in eine schönere Gegend ziehen, am liebsten nahe der schönen Mittelmeerstrände. Um versetzt zu werden, schreckt Abrams vor nichts zurück – was ihm zum Verhängnis wird, denn zur Strafe für eine Täuschung wird er prompt ins Nord-Pas-de-Calais versetzt. Das pure Entsetzen packt ihn und seine Frau – schließlich ist der Norden eiskalt, die Bewohner unterentwickelt und einfältig und der dort gesprochene Schti-Dialekt quasi eine Fremdsprache. Und es scheint zunächst auch die pure Hölle für Abrams zu werden, der ohne seine Familie unter der Woche,  leidgeplagt und in einen dicken Anorak verpackt, in den Norden fährt. Doch schnell stellt er fest: Die neuen Kollegen sind nicht nur sehr freundlich, sondern auch das kleine Dorf Bergues ist ein friedlicher, schöner Ort. Doch seine Frau will davon nichts hören, sondern geht vollkommen darin auf, ihren „armen“ Mann zu bedauern und zu pflegen. Dass diese Illusion nicht ewig aufrecht erhalten werden kann ist ja klar, da helfen auch nicht die großen Bemühungen seiner Kollegen und Freunde.


Dany Boon ist als Komiker und Regisseur bekannt und landete mit seiner Hommage an sein Kindheitsdorf Bergues im Nord-Pas-de-Calais einen Film, der James Cameron’s Titanic von Platz eins der höchsten Einspielergebnisse in Frankreich ablöste. Dabei haben diese beiden Kassenschlager unsagbar wenig miteinander gemein, denn Boons Werk beinhaltet keine hochtrabenden Kulissen, keine Effekte und keine vermeintlich großen Worte. Denn nur ein Wort passt wirklich zu „Willkommen bei den Schtis“, und das ist „herzerwärmend“. Der Regisseur selbst ist als süßer Antoine neben Kad Merad als Philippe Abrams einfach zum Verlieben. Es ist eine dieser kleinen Geschichten mit der Gewissen „Fabelhafte Welt der Amélie“-Stimmung. Zarte Musik begleitet das fast rührende und zum Teil auch wirklich lustige Geschehen in einem idyllischen, wenn auch einfachem Bergues, das durchaus zu unterhalten vermag und nach dessen Ende die Welt ein wenig heiler erscheint.
Fazit: Selbstverständlich kann man dem Film Vorhersehbarkeit vorwerfen, oder auch seichte Harmlosigkeit und konventionelle Albernheit. Aber am Ende ist die französische Charme-Offensive so lieb, dass man ihr nie lang böse sein kann.

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