Montag, 9. Januar 2012

Kick-Ass (2010)

Regie: Matthew Vaughn
Schauspieler u.a.: Aaron Johnson (Nowhere Boy), Nicolas Cage (8mm), Chloë Moretz (Let me in), Christopher Mintz-Plasse (Superbad), Mark Strong (Sherlock Homes)

Trivia: 
Die Geschichte um den Jungen Dave, der, fasziniert von Comic-Superhelden, selbst zum Kostüm greift, stammt ebenfalls aus einem Comic. Die achtteilige Story schuf Mark Millar im Jahr 2008, kurz darauf wurden die Filmrechte vergeben.


Die Geschichte ist autobiografisch: Auch der Schotte Mark Millar zeichnete sich in seiner Jugend Heldenkostüme auf Skizzenblöcke und ging in seinem (glücklicherweise sehr ruhigen) Heimatort auf Helden-Patrouille.
Am 5. Mai 2010 kündigte der Verfasser des Comics bereits eine Fortsetzung an.

Im Film finden sich zahlreiche Anspielungen auf bekannte Comics, so sagt Dave "aus keinerlei Kraft folgt keinerlei Verantwortung" und spielt damit auf Spider Man an. Im Comic-Laden sind unter anderem Poster und Figuren von Hellboy und Watchmen zu sehen. Nach Daves Operationen sind seine gebrochenen Knochen durch za
hlreiche Metallteile unterstützt - eine Anspielung auf Wolverine.

 Bewertung: 3,5 von 5

"Okay you cunts, let's see what you can do now."

Helden existieren nur in Comics? Das wäre in Ordnung, wenn es mit den Bösewichten ebenso wäre, meint Dave Lizewski – ein vollkommen durchschnittlicher Teenager. Er liest gerne Comics, hängt mit seinen zwei besten Freunden ab, onaniert in seinem Zimmer und hätte gerne ein Date mit seinem Schwarm Katie Deauxma. Sein Leben würde weiter vor sich hin plätschern – würde er sich nicht eines Tages einen Neoprenanzug im Internet bestellen und sich mit zwei Batons bewaffnet als Superheld „Kick-Ass“ ausgeben. Diese Entscheidung ist folgenschwer, so endet sein erster Versuch, zwei Autodiebe zu stoppen damit, dass ihm ein Messer in die Seite getrieben und er von einem Auto überfahren wird, welches prompt Fahrerflucht begeht. Und doch begibt Dave sich nach der Genesung trotz Ermangelung echter Superkräfte in seinem Kostüm wieder auf Streife. Aus Zufall gerät er in eine Schlägerei und beschützt das am Boden liegende Opfer – nicht ohne auch selber ordentlich verdroschen zu werden. Das Video landet auf Youtube und Kick-Ass wird ein Star. Dann verwickelt sich sein Schicksal mit den Machenschaften des Mafiabosses Frank D’Amico, mit dem auch der Ex-Cop Damon Macready eine Rechnung offen hat. Dieser ist nämlich verantwortlich dafür, dass Damon des Drogendealens beschuldigt ins Gefängnis musste und für den daraus resultierenden Selbstmord seiner schwangeren Frau. Doch seine Tochter Mindy überlebte, und Damon bildet sie und sich selber zu tödlichen Rächern gegen D’Amicos Imperium aus – Big Daddy und Hit Girl. Dann kommt noch D’Amicos einsamer Sohn Chris ins Spiel, der nirgendwo dazugehören darf – weder bei Vaters fiesen Machenschaften, noch bei Freunden aus der Schule.

Man sieht also: Eine explosive Mischung. Und „explosiv“ ist auch das treffendste Adjektiv um Matthew Vaughns „Kick Ass“ zu beschreiben. Die Pumpe des Zuschauers wird mit Point-of-View Schlägereien zu Uptempo-Beat und jeder Menge Waffengewalt ständig hochgetrieben. Allerdings gibt es da auch diese Momente, in denen Kick-Ass kein Arschtritt ist, sondern eine kitschige und konventionelle American-Teenie-Komödie. Nicht, dass nicht auch diese Momente ihre Lacher und Schmunzler haben, nur fragt man sich, ob der Film vielleicht nicht genau weiß, was er eigentlich will. Auf der einen Seite steht der moralinsaure Anspruch, zu mehr Zivilcourage zu bewegen, auf der anderen explizite Gewalt: Da schlägt ein elfjähriges Mädchen Beine ab und spießt Junkies mit ihrem Butterflymesser auf, Gangster werden in Mikrowellen gegrillt. Wäre der Film aber nicht nur bei der Gewalt, sondern auch bei der ironischen Distanz zu seinen Charakteren der Comicvorlage so kompromisslos treu geblieben, hätte das dem Streifen gut getan.


 Nichtsdestotrotz – der Film macht Spaß, der actionreiche Soundtrack reißt mit und unterstützt die grellen Farben und Konturen der Bilder, die so einen Comic-Look erzeugen. Ein echtes Fanboy-Movie für die Comic-Nerds der neusten Generation, die viele Symbole und Anspielungen entdecken werden. Auch die neuen Medien werden eingebunden – so kommuniziert Kick-Ass über seinen Myspace Account und wird durch Youtube berühmt. Der Regisseur traut sich hier so einiges – und mutet dabei der jungen Chloe Moretz alias Hit-Girl viel zu, die mit ihren jungen Jahren eine überzeugende Killermaschine mit mädchenhaftem Charme gibt, die nur äußerlich noch ein Kind zu sein scheint. Nicolas Cage als Big Daddy spielt solide und hat mit seiner merkwürdigen Art und der an Batman erinnernden monotonen Sprechweise auch einige Lacher auf seiner Seite. Aaron Johnson ist ein sanfter, naiver Kick-Ass, der sofort die Sympathie des Zuschauers gewinnt. Besonders zu erwähnen wäre Mark Strong als eiskalter Mafiosi D’Amico, dessen Skrupellosigkeit für kalte Schauer auf dem Rücken sorgt.
Fazit: Trotz einiger Längen im Anfang, weiß der Film nicht nur Comicfans zu unterhalten – ist dabei aber nichts für allzu zart besaitete Seelen, denn die FSK 16 ist an dieser Stelle nicht gerechtfertigt.

1 Kommentar:

  1. Das Thema mit der USK Kennzeichnung könnte man mit vielen Titeln erweitern. Dabei wäre der Film "Repomen" der ebenfalls, meiner Meinung nach absolut schleierhaft, eine 16er USK-Kennzeichnug erhalten hat. Dort werden Leuten bei lebendigem Leib die Organe entfernt und ihrem Schicksal überlassen. Auch nicht wirklich angemessen für einen Jugendlichen...

    Der Film "Kick-Ass" weiß aber zu gefallen! sicherlich ist die expliziete Gewaltdarstellung nicht jedermanns Sache, aber er hat zumindestens eine Essenz -> "Zivilcourage"...
    Wäre es bei Hack & Slay geblieben würde der Film unnötig sein.
    Klar hätte man sich die ein oder andere Szene sparen können bzw anders darstellen können, aber dann wäre es vielleicht auch nicht der Film geworden der er ist.

    Ich würde dem Film eine Wertung von 4 von 5 Punkten geben, wegen der teils überflüssigen Gewaltdarstellung, dennoch weiß der Film zu gefallen.

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